Volker Plass: Mit »Peak Oil« in die Energiefalle
Volker Plass | 10.09.2009
Mit »Peak Oil« in die Energiefalle
Der Erdöl-Konzern BP hat im Golf von Mexiko ein »gigantisches« Ölfeld entdeckt. Etwa drei Milliarden Barrel lagern dort in 12.000 Metern(!) Tiefe.
»Gigantisch« ist zweifellos der technische Aufwand für die Bohrung. Nicht jedoch die Menge: Wenn in vielen Jahren vielleicht ein Drittel dieses Fundes gefördert werden kann, reicht das gerade einmal für den weltweiten Erdölbedarf von zwei Wochen.
Tiefsee-Bohrungen sind nicht die »Rettung vor Peak Oil«, wie man diese Woche im Wirtschaftsblatt lesen konnte, sondern sie zeigen nur, mit welcher Verzweiflung mittlerweile die letzten Tropfen des »schwarzen Goldes« aus der Erde gepresst werden.
Für »Peak Oil« sind Neuentdeckungen dieser Art unwesentlich. Auch wunderschöne Statistiken über »globale Erdölreserven«, die angeblich noch weitere 40 Jahre reichen, sind irrelevant.
Entscheidend ist allein, ob am heutigen Tag genauso viel Öl tatsächlich hoch gepumpt werden kann wie nachgefragt wird. Exakter formuliert: Ob die erdölexportierenden Länder genauso viel Öl am Markt anbieten wie die restliche Welt benötigt. Denn der Eigenbedarf der Exportländer steigt ja ebenfalls ständig und das, obwohl laut Internationaler Energieagentur bereits 580 der weltweit 780 wichtigsten Ölfelder Produktionsrückgänge aufweisen.
Viele Experten gehen davon aus, dass »Peak Oil« oder zumindest »Peak Oil Export« bereits 2008 stattgefunden hat und nie wieder so viel Erdöl angeboten wird wie in den letzten Jahren.
Die wirtschaftlichen Folgen sind dramatisch. Es ist jedoch nicht mit einem Ölpreis zu rechnen, der langsam auf 300 Dollar und mehr klettert, sondern mit extrem volatilen Preisen und einer schockwellenartigen Aufeinanderfolge mehrerer Wirtschaftskrisen:
Der Ölpreis steigt so lange bis Weltwirtschaft und Erdöl-Nachfrage zusammenbrechen. Darauf fällt der Ölpreis ins Bodenlose, was vorübergehend teure Explorationsmethoden unfinanzierbar macht und den erneuerbaren Energieträgern die Wettbewerbsfähigkeit raubt. Die Weltwirtschaft stabilisiert sich mühsam auf niedrigerem Niveau, die Erdöl-Nachfrage bzw. der Ölpreis steigt wieder und der Zyklus beginnt von vorn … (YouTube-Video)
Während die Weltwirtschaft wie ein Drogenkranker auf Entzug unter größten Schmerzen und mit mehreren Rückfällen von ihrer Öl-Abhängigkeit entwöhnt wird, droht der Menschheit das Hineinschlittern in eine »Energiefalle«: Werden zukünftig überhaupt noch ausreichend fossile und metallische Rohstoffe vorhanden sein, um den sehr energie- und materialintensiven Umstieg auf eine ausschließlich solare Energieversorgung zu schaffen?
Je länger wir alle Vorwarnungen ignorieren, desto geringer ist diese Chance!
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Weitere Infos:
Interessanter YouTube-Vortrag
von Michael Cerveny/ÖGUT
Interessantes Paper
von Michael Cerveny/ÖGUT








